Die Diagnose Krebs stürzt viele Patienten und ihre Angehörigen in eine tiefe Krise. Eine psychotherapeutische Begleitung ist für die meisten Menschen hilfreich, um die Krise besser bewältigen zu können. In der Psychoonkologie wird nicht aufdeckend gearbeitet, wie bei anderen Krankheitsbildern üblich, sondern supportiv (unterstützend).

Mein Lebenslauf in Stichworten

August 1957

1967 – 1973

Okt. 1973 – Okt. 1981


Nov. 1981 – Mai 1982


Aug. 1982


Juli 1984 – Juli 1985

Sep.1984


Aug. 1985

Mai 1991 – April 1992

Mai 1992

Januar 1995


März 1996



Feb. 1999


April 1999 – Okt. 1999

März 2000

Juni 2006


seit Februar 2006

Geburt in Hameln

Schule, Abitur

Studium der Wirtschaftswissenschaften
an der Universität Hannover,
Abschluß: Diplom-Ökonomin

Trainee bei Ernst und Whinney,
Chartered Accountants, London

Beginn meiner Tätigkeit als
Personalreferentin bei der Continental AG

Krank

Eintritt in die Krebs-Selbsthilfegruppe
im DRK

Rückkehr in den Beruf als Personalreferentin

Beurlaubung aus dem Beruf

Rückkehr in den Beruf als Personalreferentin

Beginn der nebenberuflichen
Psychotherapieausbildung

Aufgabe meines Berufes als
Personalreferentin und Intensivierung
meiner Psychotherapieausbildung

Prüfung als Heilkundliche Psychotherapeutin

Personalreferentin bei der Continental AG

Eröffnung einer Praxis als
Heilkundliche Psychotherapeutin

Aufgabe der Praxisräume im Unternehmerinnen-Zentrum Hannover

Integrationscoach und sozialpädagogische Beraterin als Angestellte beim bfw – Unternehmen für Bildung und freiberuflich als Beraterin von Krebspatienten und Angehörigen sowie als Coach von Menschen in beruflichen Umbruchsituationen



Psychotherapieausbildungen

Logotherapie inkl. Logotherapie in der Berufs- und Arbeitswelt

Psychosynthese

Grundsätze der humanistischen Psychotherapie

Bochumer Gesundheitstraining

Autonomietraining nach Grossarth-Maticek

Simontontraining nach Dr. Simonton

Mein eigener Blick auf mein Leben

Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof in einem Dorf ca. 40 km
von Hannover entfernt. Den Schritt in die Großstadt wagte ich als ich nach meinem Abitur studieren wollte. Und so landete ich in Hannover und absolvierte das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der hiesigen Universität. Daran schloss ich ein halbjähriges Praktikum in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in London an.
Hildegard Bornemann mit Patenkindern 1998

Meine berufliche Laufbahn begann ich als Personalreferentin bei der Continental AG. Noch bevor die ersten zwei Jahre Berufstätigkeit herum waren, kam ich direkt vom gynäkologischen Untersuchungsstuhl ins Krankenhaus. Erst die Operation am folgenden Tag ergab die volle Diagnose: Eierstockkrebs im fortgeschrittenen Stadium.

Von dem Tag an veränderte sich mein Leben auf eine nie geahnte Weise. Am Anfang war ich furchtbar traurig darüber, dass ich nun nie mehr Kinder würde bekommen können. Ich fragte mich auch, ob ich etwas versäumt hätte. Mit knapp 27 Jahren hätte ich ja theoretisch schon Mutter sein können. Doch diese Sorgen rückten in den Hintergrund, als ich nach ein paar Monaten begriff, an welch seidenem Faden mein Leben hing. Mich bedrohte nicht nur der Krebs, sondern auch die radikale Chemotherapie, die mein Leben retten sollte.

Ich legte eine Liste mit den Adressen meiner Freunde und Bekannten an. Ich lies mein Leben Revue passieren und fragte mich, ob ich etwas bereuen müßte oder ob ich mich noch mit jemanden aussprechen sollte. Ich überlegte, was ich eigentlich noch vom Leben gewollt hätte und was ich bedauern würde, wenn ich es nicht mehr erleben würde. Und ich war froh, dass ich keine Kinder hatte, die ich vielleicht allein zurück lassen würde. Ich bereitete mich auf alle Eventualität so gut vor, wie ich konnte und tat gleichzeitig alles dafür zu überleben.

Ich überlebte die Ersterkrankung, die Chemotherapie und anschließende inoperable Lymphknotenmetastasen.

Mein äußerliches Leben ging ganz normal weiter. Nach einem Jahr Therapie kehrte ich in den Beruf zurück. Ich bekam durch meinen Arbeitgeber jede Unterstützung, die ich brauchte und arbeitete erst einmal zwei Jahre Teilzeit. Es waren die schönsten Jahre meines Lebens. Ich erlebte mein Leben ganz anders, viel intensiver, viel schöner, voller Lebensenergie und Freude.

Ich arrangierte mich auch damit, dass ich nun nie mehr Mutter werden konnte. Dafür wurde ich mehrfache Patentante, u.a. von Sina und Marielle, den „Wunderkindern“ meiner Freundin Petra. Wunderkinder sind sie deshalb, weil sie wunderbar gesund sind und Petra ihre Zwillinge nach ihrer Krebserkrankung, den Bestrahlungen und der Chemotherapie geboren hat.

Nach zwei Jahren nahm ich das Angebot an, eine neue Aufgabe im Personalwesen zu übernehmen. Diese Aufgabe erforderte meinen ganzen Einsatz sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch hinsichtlich Stress. Im Laufe der 14 Jahre bei Conti hatte ich verschiedene Jobs im Personalwesen. Ich lernte nicht nur die Personalauswahl und -einstellung, sondern auch das Personalmarketing, das Zeugnisse schreiben, das Führen von Mitarbeitergesprächen in verschiedenen Krisensituationen, und die internationale Personalentwicklung.

Ein Jahr mußte ich wegen meiner Krebskrankheit unfreiwillig aussetzen. Sechs Jahre später nahm ich freiwillig eine Auszeit von einem Jahr und erfüllte mir meine größten Träume. Alle meine Urlaube verbrachte ich mit Reisen. Einige ziemlich exotische Reisen sind dabei. Ich machte die Erfahrung, dass mehr Dinge im Leben möglich sind, als man sich je hätte träumen lassen, wenn man wirklich weiß, was man will und bereit ist, das Ziel konsequent zu verfolgen.

Nach einigen Jahren äußerst intensiven und mit Aktivitäten vollgestopften Lebens und nachdem ich mir selbst bewiesen hatte, dass ich einen sehr interessanten aber auch sehr stressigen Job in der Industrie bewältigen kann, obwohl ich so krank gewesen war, zog es mich woanders hin. Ich wollte gern alle meine Kenntnisse und Erfahrungen nutzen, um Menschen in großer Not zu helfen. In den ganzen Jahren war ich ehrenamtlich in einer Krebs-Selbsthilfegruppe tätig gewesen.

Durch die Geschichten der anderen und auch durch mein eigenes ständiges Bemühen um relative Gesundheit, blieb ich immer intensiv an dem Thema „Krebs“ dran. Ich sah den Bedarf in diesem Feld und meine Möglichkeiten, Menschen durch Gespräche zu helfen, ruhiger zu werden, Wege aus der Krise und neue Lebensperspektiven zu finden.

1996 gab ich meinen Beruf als Personalreferentin auf und lies mich zur Psychotherapeutin ausbilden. Meine Prüfung machte ich unter dem Heilpraktikergesetz.
Hildegard Bornemann
  Hildegard Bornemann 2008

Meine Ausbildungen wählte ich unter dem Gesichtspunkt in wieweit sie mich etwas lehren, das bei dem Umgang mit Krebspatienten und Menschen in anderen intensiven Lebenskrisen hilfreich ist.

Das Schicksal hat für mich bestimmt, dass ich meine damalige Krebserkrankung überlebte. Mein Körper hat ein paar Narben und irreversible Schäden, aber alles in allem befinde ich mich in einem ziemlich guten körperlichen Zustand. Die Narben in meiner Seele tun manchmal heute noch weh, aber sie sind auch zu meinen größten Stärken geworden. Meine Erlebnisse, meine intensive eigene Reflektion über diese Erlebnisse und mein Leben überhaupt, sowie die langjährige Psychotherapieausbildung haben mich zu einer guten Gesprächspartnerin für Menschen in Ausnahmesituationen gemacht.

Einige Dinge habe ich im Leben gründlich gelernt. Personalarbeit in allen ihren Facetten gehört dazu, ebenso wie alle möglichen Aspekte einer Krebserkrankung. Es gehört aber auch die Erkenntnis dazu, wie dramatische Ereignisse alle bisherigen Ziele und Werte in Frage stellen können. Die Suche nach neuen Zielen und Werten kann teilweise schmerzhaft sein, sie ist aber auch oft sehr erfüllend und immer lohnend.